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"Eins bis Zwei" für den Lehrer
Pauker versuchen sich als "Azubi"
Weiden. (ps) Anna Bauer (17) würde dem "Neuen" glatt "eine Eins bis Zwei" geben. "Er stellt sich ganz gut an fürs erste Mal", bescheinigt sie dem "Lehrling". Der heißt Johannes Birkner und ist im Hauptberuf Lehrer an der Volksschule in Kemnath. Am Mittwoch hat er das Lehrerpult für einen Tag mit der Ausbildungswerkstatt bei der Firma "azubi Lehrmittel" getauscht.
Ganz unbeleckt ist er allerdings nicht, was das Feilen und Schleifen betrifft, gesteht er. Vor gut 20 Jahren hat er während des Studiums der Elektrotechnik schon mal acht Wochen Praktikum in einem metallverarbeitenden Betrieb absolviert.
Deshalb gehen ihm die Feilarbeiten ganz gut von der Hand, wie seine Betreuerin Anna feststellt. Trotzdem benötigt er natürlich Hilfestellung von der Auszubildenden im dritten Lehrjahr. Letztlich ist er eben doch ein Anfänger: "Ich hab schon lange keine Feile mehr in der Hand gehabt." Ein Tag als Lehrling in einem Betrieb. Johannes Birkner findet den Rollentausch gut: "So erhält man einen interessanten Einblick in die Praxis, den man an die Schüler weitergeben kann. Für mich als Lehrer war es außerdem sehr interessant, was der Chef Peter Eichleitner anfangs zu den Anforderungen an die Bewerber gesagt hat." Nämlich? "Dass Noten und Bewerbungsschreiben zwar wichtig sind. Eine große Rolle spielt aber, wie sich die Schüler während eines Praktikums anstellen. Das werde ich auch meinen Schülern weitererzählen." Und außerdem verstärkt mit ihnen Kopfrechnen üben. Denn hier hapert es bei vielen Jugendlichen, wie Firmenchefs übereinstimmend feststellen. "Ohne Anleitung geht gar nichts" und "das Feilen ist zum Teil ein Knochenjob". So die Erkenntnisse von Lehrer Edgar Hanner, der an der Kreuzbergschule in Schwandorf eine neunte Klasse leitet und seine neugewonnen Erkenntnisse ebenfalls beim Thema Berufswahl einbringen wird. Was ihn bei der Firma "azubi" besonders erstaunt hat: "Es ist wirklich alles vor Ort, von der Lagerung bis zur Ausbildung." Jürgen Pfleger, angehender Industriemechaniker im dritten Lehrjahr, steht ihm zur Seite.
An der von der "Azubi Lehrmittel GmbH" 2008 bereits zum fünften Mal organisierten Aktion "Lehrer als Azubi" haben sich heuer auch die Buchhandlung Stangl und Taubald sowie die Bäckerei Retzer beteiligt. Am 22. Oktober sind außerdem noch BMW Friedrich und der Büromarkt Roscher mit von der Partie. 13 Lehrkräfte von Haupt- und Realschulen aus der Nordoberpfalz nehmen das Angebot in diesem Jahr wahr. Das Konzept hat inzwischen auch das Interesse der IHK Regensburg und der Bezirksregierung geweckt. Peter Eichleitner und Organisatorin Susanne Kempf werden deshalb beim Kongress "Hauptschule und Beruf" im Oktober in Regensburg über ihre Erfahrungen berichten.
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